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Italien: Monti ist im Nebenjob Berater bei Goldman Sachs

Mit Mario Monti ist ein erstmals ein hochrangiger Vertreter der Finanzindustrie zum Regierungschef eines europäischen Landes aufgestiegen. Monti ist Mitglied des Board of International Advisors bei der Investmentbank Goldman Sachs.

Die Begrüßung für den neuen Regierungschef Italiens, Mario Monti, war in allen Lagern des politischen Italiens freundlich. Allgemein wird sein Sachverstand und sein Pragmatismus gelobt. Die katholische Kirche ist erleichtert, dass nach dem Lebemann Silvio Berlusconi nun ein Mann mit tadellosen Manieren die Geschäfte in Rom übernimmt. Die Arbeitgeber-Vertreter hoffen auf eine berechenbare Politik. Selbst die Gewerkschaften wollen Monti nicht daran hindern, die von der EU erforderten Maßnahmen zu ergreifen – wenngleich CGIL-Sprecherin Susanna Camusso der FT sagte, dass es von der größten linken Gewerkschaft keinen Blankocheck für Monti gäbe.

Bisher noch weniger bekannt ist, dass Monti einen interessanten Nebenjob hat: Der aktuelle Jahresbericht der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs führt den ehemaligen EU-Kommissar als Mitglied seines „Board of International Advisors“ (siehe Auflistung am Ende des Artikels). Monti ist also Berater jenes Unternehmens, welches die europäischen Regierungen und die EU bei der Bewältigung der Schuldenkrise berät. Goldman hatte Griechenland geholfen, seine Zahlen vor dem EU-Beitritt unter Täuschung der europäischen Statistikbehörde Eurostat so zu präsentieren, dass das wahre Haushaltsdefizit erst nach der Aufnahme in die EU zum Augenschein kam.

Natürlich versteht sich Goldman auch darauf, das bei den umfangreichen Konsultationen erworbene Wissen auch andernorts gewinnbringend einzusetzen: So bietet die Investmentbank seit Ausbruch der Eurokrise ihren Kunden ein attraktives Produkt an: Wetten gegen Europa (mehr hier), ein Modell, welches schon bei der amerikanischen Subprime-Krise erfolgreich eingeführt wurde. Für dieses „Geschäftsmodell“ war Goldman bei den Hearings vor dem amerikanischen Kongress hart gerügt worden – Konsequenzen gab es keine.

Goldman hält Italien für einen integralen Bestandteil der Europäischen Währungsunion, wie zum Wochenende der Chef von Goldman Sachs Asset Management betonte. Jim O’Neill hält Italien im Grund für verloren. Einziger Ausweg: Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse unbegrenzt und im großen Stil italienische Staatsanleihen kaufen (mehr hier).

Da trifft es sich gut, dass auch bei der EZB ein Mann sitzt, der sich bei Schrottpapieren gut auskennt: Der seit 1. November amtierende EZB-Chef Mario Draghi war von 2002 bis 2005 Vizepräsident von Goldman Sachs in London. Es war die Zeit der Hochblüte der faulen amerikanischen Immobilienkredite. Draghi hatte selbstverständlich nichts von der tickenden Zeitbombe gemerkt. Rechtzeitig vor dem Platzen der Blase wechselte Draghi auf den Posten des italienischen Zentralbankchefs. Natürlich ohne wirtschaftlichen Vorteil: Er verkaufte seine Anteile an Goldman und übertrug diese an einen sogenannten „Blind Trust“, einen Treuhänder, von dem natürlich nicht angenommen werden kann, dass er nur auf einem Auge blind ist.

Ein ähnliches Manöver hatte, interessanterweise ebenfalls im Jahr 2006, der damalige US-Finanzminister Hank Paulson vollzogen, als er als Retter an die Seite von George W. Bush wechselte. Durch den Verkauf der Goldman-Anteile erlöste er privat – rechtzeitig vor der Krise – 500 Millionen Dollar (mehr hier).

Paulsons wichtigste Amtshandlung als Finanzminister: Er setzte im Jahr 2008 den ersten großen Banken-Bailout in den USA durch. Dadurch wurden 700 Milliarden Dollar an Steuergeldern zur Rettung der verschiedenen Finanzinstitutionen ausgeschüttet. An Goldman ging davon der überschaubare Beitrag von 10 Milliarden Dollar. Weitere 3 Milliarden Dollar erhielt Goldman nach dem Crash des Versicherers AIG, bei dem Goldman jene Papiere versichert hatte, die das Unternehmen zuvor gutgläubigen Kunden als absolut sicher angedreht hatte.

Man kann ein gewisses Verständnis für Berlusconi und seine Getreuen entwickeln, wenn diese nun die Fäuste ballen.

So richtete der Chefredakteur der zum Berlusconi-Imperium gehörenden Zeitung Il Giornale eine wenig freundliche Willkommens-Botschaft an Mario Monti. Bezugnehmend auf seine Goldman-Vergangenheit schreibt Alessandro Sallusti: „Dies ist jene Bande von Kriminellen, die uns das dieses finanzielle Desaster gebracht haben. Es ist, wie wenn man Brandstifter bitten würde, das Feuer zu löschen.“
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Artikel auf: DMN 



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Der Beitrag wurde am Montag, den 14. November 2011 um 03:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter EU-Krise, Finanzkrise, Staatsanleihen, Staatsverschuldung, Wirtschaftskrise abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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2 Reaktionen zu “Italien: Monti ist im Nebenjob Berater bei Goldman Sachs”

  1. Stefan Wehmeier

    “Die katholische Kirche ist erleichtert,…”

    Eine Währung kann nur dann eine echte Währung, d. h. unter allen Umständen gegen Inflation oder Deflation geschützt sein, wenn sie konstruktiv umlaufgesichert ist, was für den Euro – sowie für alle anderen heutigen “Währungen” – nicht zutrifft. Die beschämende Tatsache, dass eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstanden hat, ist nicht allein dafür verantwortlich, dass wir heute weit hinter den technologischen Möglichkeiten zurückhängen, die Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke in “2001: Odyssee im Weltraum” visualisierten, sondern tatsächlich für alle Zivilisationsprobleme, die sich überhaupt thematisieren lassen.

    Dabei wurde sowohl der grundlegende Fehler im “Geld, wie es (noch) ist” als auch das fehlerfreie “Geld, wie es sein soll” schon im Jahr 1916 in dem makroökonomischen Grundlagenwerk “Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld” von dem Sozialphilosophen Silvio Gesell vollständig und widerspruchsfrei beschrieben. Doch was hilft es der Menschheit, wenn auch im 21. Jahrhundert nur eine Handvoll Menschen in der Lage und Willens ist, diese “banalsten Selbstverständlichkeiten” (Zitat: Silvio Gesell) zu begreifen?

    Die Ursache des “nicht verstehen Wollens” hat eine lange Tradition: die Religion; eine künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten, welche die halbwegs zivilisierte Menschheit überhaupt erst “wahnsinnig genug” für die Benutzung von Geld machte, lange bevor diese seitdem grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung wissenschaftlich erforscht war. Denn kein vernünftiger (nicht religiös verblendeter) Mensch wäre dazu bereit, in einer fehlerhaften (kapitalistischen) Marktwirtschaft zu arbeiten, wenn er weiß, dass ein nachhaltiges Wirtschaften unmöglich und der nächste Krieg – zur umfassenden Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten – unvermeidlich ist. Der Krieg konnte aber nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/10/vollinvestition.html

  2. Weihnachtsansprache 2011 an den Bundespräsidenten « Glotze fatal

    [...] der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi für Goldman Sachs gearbeitet haben oder noch tätig sind, und Sie wissen, dass der neue Ministerpräsident Griechenlands, Loukas Papadimos, an der [...]

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